
KI in der Verwaltung: „Vertrauen ist entscheidend“ – Rudolf Hoscher im Interview
Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur ein Thema für internationale Tech-Konzerne oder innovative Start-ups. Auch öffentliche Institutionen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie KI sinnvoll, sicher und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.
Gerade dort, wo mit sensiblen Daten gearbeitet wird, stehen Organisationen vor einer besonderen Herausforderung: Innovation ermöglichen, ohne Kontrolle und Vertrauen zu verlieren.
Wie dieser Balanceakt in der Praxis aussehen kann, zeigt der Landesrechnungshof Oberösterreich. Wir haben mit Rudolf Hoscher, Direktor des Landesrechnungshofs, über konkrete KI-Projekte, Datenhoheit und die Zukunft von AI in der öffentlichen Verwaltung gesprochen.
Was macht der Landesrechnungshof eigentlich genau?
Wir sind eine Kontrollinstanz für den oberösterreichischen Landtag und Teil der Legislative. Unsere Aufgabe ist es, das Verwaltungshandeln des Landes, aber auch von Gemeinden und landeseigenen Unternehmen zu prüfen – im Sinne von „Checks and Balances“.
Wir erstellen jährlich einen Prüfplan, basierend auf risikoorientierten Methoden, und analysieren sowohl finanzielle als auch strategische Aspekte.
Daten spielen dabei vermutlich eine zentrale Rolle. Nutzt ihr bereits KI?
Ja, definitiv. Gerade wenn man mit großen Datenmengen arbeitet, kommt man sehr schnell zu dem Punkt, an dem KI interessant wird.
Ein konkretes Beispiel war unser Projekt „Phoenix“, das wir gemeinsam mit Partnern umgesetzt haben. Dabei haben wir Rechnungsabschlussdaten des Landes Oberösterreich analysiert – über mehrere Jahre hinweg. Insgesamt ging es um rund zwölf Millionen Datenzellen mit sehr vielen unterschiedlichen Ausprägungen.
Die größte Herausforderung war zunächst gar nicht die Analyse selbst, sondern die Daten sauber aus den bestehenden Systemen herauszubekommen. Gemeinsam mit der IT des Landes und mit euch haben wir aber ein Modell entwickelt, auf dem wir künftig weiter aufbauen können.
„Die Daten selbst können irgendwann gelöscht werden – das Modell und die daraus gewonnenen Erkenntnisse bleiben erhalten.“
Wie geht ihr mit sensiblen Daten und Datenschutz um?
Das Thema Vertrauen spielt hier eine riesige Rolle. Aktuell arbeiten wir noch in einer Testphase und verwenden bewusst keine unveröffentlichten Prüfungsdaten.
Uns war bei der Auswahl eines Partners wichtig, dass die Daten in Österreich bleiben und klar nachvollziehbar ist, wo sie verarbeitet werden. Deshalb haben wir damals gezielt nach einem lokalen Anbieter gesucht, der genau das gewährleisten kann.
Mit KARLI haben wir eine Umgebung getestet, bei der wir sicher sein konnten, dass Daten nicht irgendwohin weitergegeben werden. Das ist für öffentliche Institutionen einfach essenziell.
„Uns war wichtig, dass die Daten in Österreich bleiben und klar nachvollziehbar ist, wo sie verarbeitet werden.“
Warum ist Vertrauen bei KI-Projekten so entscheidend?
Vertrauen muss man intern genauso aufbauen wie extern.
Unsere Prüferinnen und Prüfer arbeiten seit Jahren mit digitalen Tools, aber KI ist noch einmal etwas anderes. Deshalb ist es wichtig, langsam zu starten, Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.
Die zentrale Frage ist immer: Bringt das im Alltag wirklich einen Nutzen?
Wenn ein großes KI-Projekt scheitert oder schlechte Ergebnisse liefert, sinkt die Akzeptanz sofort. Diese Hürde wieder zu überwinden, ist dann extrem schwierig. Deshalb setzen wir bewusst auf einen schrittweisen Zugang.
„Wenn ein großes KI-Projekt scheitert, sinkt die Akzeptanz sofort.“
Ist KI in der Verwaltung mittlerweile Pflicht statt Kür?
Ja, absolut. KI ist ein Muss – und zwar nicht nur in der Verwaltung.
Die Frage ist aus meiner Sicht nicht mehr, ob man sich mit KI beschäftigt, sondern wie man sie sinnvoll einsetzt.
„KI ist ein Muss – und zwar nicht nur in der Verwaltung.“
Wo liegen aktuell die größten Potenziale für KI im Audit- und Prüfungsbereich?
Ein großes Thema ist definitiv Recherche und Informationsaufbereitung.
Wir hätten beispielsweise gerne ein System, das auf verschiedene Datenquellen zugreifen kann und uns zu bestimmten Themen automatisiert Zusammenfassungen liefert – inklusive der Information, in welchen Dokumenten etwas konkret vorkommt. Also ob etwas in einer E-Mail, einer Präsentation oder einem Bericht steht.
Gerade bei langen E-Mail-Verläufen wäre das enorm hilfreich. Niemand möchte zehn einzelne Nachrichten lesen, wenn die KI die Kernaussage bereits sauber zusammenfassen kann.
Ein weiterer Bereich sind unsere Prüfberichte selbst. Wir erstellen immer Kurzfassungen, und hier könnte KI unterstützen – etwa indem Inhalte verständlicher formuliert oder auf unterschiedlichen Sprachniveaus aufbereitet werden.
Sehr spannend finden wir auch ein internes Konzept, das wir „easy-rev“ nennen. Dabei soll die KI Aussagen in Berichten überprüfen und nachvollziehbar machen, woher bestimmte Informationen stammen.
„Die KI soll kontrollieren können, aus welchem Basisdokument eine Aussage stammt.“
Welche Rolle spielt der Mensch dabei noch?
Am Ende muss immer ein Mensch die Qualität sichern und Entscheidungen treffen. KI ist ein Werkzeug, das unterstützt – nicht mehr und nicht weniger.
Diese Vorstellung, dass KI irgendwann komplett übernimmt, sehe ich ehrlich gesagt nicht. Und ich hoffe auch, dass das nicht passiert.
„Am Ende muss immer ein Mensch die Qualität sichern und Entscheidungen treffen.“
Wie geht ihr das Thema strategisch an?
Wir arbeiten derzeit nicht nur an einer KI-Strategie, sondern generell an einer umfassenden IT-Strategie.
Außerdem läuft aktuell ein Projekt gemeinsam mit der OECD, das von der Europäischen Kommission finanziert wird. Dabei analysieren wir konkrete KI-Use-Cases für Audit-Institutionen.
Die OECD untersucht für uns unter anderem, welche Skills notwendig sind, welche Infrastruktur man braucht und welche Lösungen sinnvollerweise intern betrieben werden sollten – oder eben nicht.
Denn wir müssen natürlich auch wirtschaftlich denken. Für eine vergleichsweise kleine Institution wäre es schwierig, eine komplette KI-Infrastruktur alleine aufzubauen und dauerhaft aktuell zu halten.
„Wir wollen nicht alles selbst bauen – sondern gezielt Lösungen nutzen, die bereits funktionieren.“
Sind öffentliche Institutionen beim Thema KI vorsichtiger als Unternehmen?
Vielleicht etwas vorsichtiger – was aber nicht unbedingt schlecht ist.
In der öffentlichen Verwaltung arbeitet man oft mit besonders sensiblen Daten. Deshalb muss man genauer hinschauen, wie Systeme eingesetzt werden und welche Risiken bestehen.
Grundsätzlich sehe ich aber überall die gleiche Entwicklung: Alle wissen mittlerweile, dass KI kommen wird und dass man sich damit beschäftigen muss.
„Alle wissen mittlerweile, dass KI kommen wird.“
Welchen Rat würdest du anderen Organisationen geben?
Man sollte klein anfangen.
Mit konkreten Anwendungsfällen, die echten Mehrwert bringen. Gleichzeitig muss man die Mitarbeiter:innen mitnehmen und Schulungen anbieten.
Und ganz wichtig: Man sollte niemanden dazu zwingen.
Nicht jeder Prozess braucht KI. Aber dort, wo große Datenmengen verarbeitet werden oder repetitive Aufgaben entstehen, kann KI enorme Unterstützung bieten.
„Man sollte mit konkreten Anwendungsfällen starten, die echten Mehrwert bringen.“
Zum Abschluss: Terminator, Matrix oder Star Trek?
Ganz klar Star Trek.
Die haben mit ihrem Voice Translator schon vor Jahrzehnten gezeigt, wohin die Reise gehen kann.
Und wenn ich noch etwas empfehlen darf: „Nexus“ von Yuval Noah Harari. Ein wirklich spannendes Buch, wenn man sich mit Technologie und Gesellschaft beschäftigt.
Hoch spannend - Danke für deine Einblicke Rudolf. Danke für die Einladung und danke für die Zusammenarbeit - immer wieder gern.
Fazit: KI braucht Vertrauen, Strategie und sichere Infrastruktur
Das Gespräch zeigt deutlich: Der Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung ist längst Realität.
Entscheidend sind dabei jedoch nicht nur technologische Möglichkeiten, sondern vor allem Vertrauen, Nachvollziehbarkeit und ein kontrollierter Umgang mit Daten.
Gerade deshalb gewinnen europäische KI-Lösungen mit klarer Datenhoheit und sicherer Infrastruktur zunehmend an Bedeutung.
Mit Plattformen wie KARLI lassen sich genau solche Anforderungen umsetzen – DSGVO-konform, nachvollziehbar und angepasst an reale Prozesse innerhalb von Organisationen.
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